Scannen Sie schon, oder formen Sie (immer noch) konventionell ab?“ In der Tat bieten Intraoralscanner der neuesten Generation vielversprechende Möglichkeiten der Diagnose und Behandlung. Bei der Kaufentscheidung eines Intraoralscanners spielen folgende Kriterien eine Rolle: Genauigkeit der digitalen Abformung, die Möglichkeit des Nacharbeiten des Scans, die Datenverfügbarkeit, die Verfügbarkeit von Schnittstellen, Softwaretools, möchte ich Labside- oder Chairside-Herstellung, bevorzuge ich eine Cart- oder Laptop-Version oder soll der Scanner im Behandlungsstuhl integriert sein und nicht zuletzt spielen das Handling und die Hygiene eine große Rolle. Zuletzt steht aber die Frage: Lohnt sich die Investition eines Intraoralscanners? Wie sieht es mit der Investitionsrentabilität aus? Der Böhmsche Rat befasst sich deshalb mit dem Thema der Abrechnung der optisch-elektronischen Abformung. In Teil 1 werden die rechtlichen Grundlagen dargestellt, die im 2. Teil mittels Beispielen näher erläutert werden.

Zunächst können wir die lapidare Feststellung treffen, dass die konventionelle Abformung, von den Abdrücken mit individuellen Löffeln abgesehen, grundsätzlich nicht gesondert abrechenbar ist. Sie ist Bestandteil der Abrechnungsbestimmungen bei Kronen und Brücken. Dies gilt sowohl für die in der Gebührenordnung für Zahnärzte (GOZ) als auch für die im Einheitlichen Bewertungsmaßstab (BEMA) dargestellten Leistungen. Allerdings ist 2012 eine neue Leistung für die digitalen Abformung ist in der Gebührenordnung für Zahnärzte (GOZ) aufgenommen worden: die Geb.-Nr. 0065, die wir uns im Folgenden näher anschauen wollen.

In der Leistungsbeschreibung für die GOZ 0065 heißt es: Optisch-elektronische Abformung einschließlich vorbereitender Maßnahmen, einfache digitale Bissregistrierung und Archivierung, je Kieferhälfte oder Frontzahnbereich.

Die Abrechnungsbestimmung gibt uns weitere Erläuterungen:

Neben der Leistung nach der Geb.-Nr. 0065 sind konventionelle Abformungen nach diesem Gebührenverzeichnis für dieselbe Kieferhälfte oder denselben Frontzahnbereich nicht berechnungsfähig.

Die Bewertung der GOZ 0065 ist auch der Tabelle 1 zu entnehmen:

GOZ-Ziffer Punktzahl 1,0-fach 2.3-fach 3,5-fach
0065 80 4,50€ 10,35€ 15,75€

 

Kommentar zur Leistungsbeschreibung

In diesem Zusammenhang lohnt es sich, einen Blick in den Kommentar der Bundeszahnärztekammer (BZÄK) zur Geb.-Nr. 0065 zu werfen:

„Die Leistung beschreibt die dreidimensionale Datenerfassung intraoraler Strukturen mittels optisch-elektronischer Apparaturen zum Zweck der Herstellung einer Restauration bzw. Rekonstruktion auf direktem Weg oder auf indirektem Weg nach Herstellung eines CAD/CAM-

Modells. Die einfache Registrierung der Bissverhältnisse auf digitalem Weg ist nicht gesondert berechnungsfähig. Darüber hinausgehende Bissregistrierungen sind nicht inbegriffen.
Die Leistung wird je Kieferhälfte oder Frontzahnbereich berechnet und kann ggf. bis zu viermal je Sitzung anfallen. Vorbereitende Maßnahmen wie z. B. die optische Aufbereitung der abzuformenden Zähne oder Modelle sowie die Archivierung der Daten sind eingeschlossen. Die Nebeneinanderberechnung dieser Leistung und einer konventionellen
Abformung in derselben Sitzung für dasselbe Behandlungsgebiet ist nicht statthaft. Die Geb.-Nr. 0065 darf neben einer Leistung, die neben anderen Leistungsbestandteilen auch Abformungen beinhalten, zusätzlich berechnet werden.
Konventionelle Abformungen im Sinne der nach gelagerten Abrechnungsbestimmungen sind ausschließlich die Abformungen nach den Geb.-Nrn. 5170, 5180, 5190 GOZ. Die Nebeneinanderberechnung dieser Leistungen und der Geb.-Nr. 0065 für denselben Kiefer ist nicht statthaft. Die PC-gestützte Auswertung zur Diagnose und Planung ist bei dieser Gebührennummer nicht enthalten und muss daher analog berechnet werden.“

Zusammenfassend können wir feststellen, dass die Leistung

  •  je Kieferhälfte oder Frontzahnbereich berechnet wird und sie kann ggf. bis zu viermal je Sitzung anfallen,
  • nicht neben der konventionellen Abformung berechnet werden kann, auch nicht neben den Geb.-Nrn. 5170, 5180 und 5190,
  • nicht die PC-gestützte Auswertung zur Diagnose und Planung enthält. Diese muss analog berechnet werden.

Die PC-gestützte Auswertung

Die PC-gestützte Auswertung zur Diagnose und Planung ist nach Aussage der BZÄK gemäß § 6 Abs. 1 GOZ analog zu berechnen. Im Kommentar zu § 6 Abs. 1 heißt es, die selbständige, nicht im Gebührenverzeichnis enthaltene Leistung entsprechend einer nach Art, Kosten- und Zeitaufwand gleichwertigen Leistung des Gebührenverzeichnisses berechnet werden kann. Die Regelung stellt damit auf die Gleichwertigkeit und nicht auf die Gleichartigkeit ab. Die Gleichwertigkeitsprüfung hat demnach nicht zwingend anhand
des Leistungsinhalts zu erfolgen. Für die Feststellung der Gleichwertigkeit hat der Zahnarzt Art, Kosten- und Zeitaufwand der neuen Leistung mit der hilfsweise zur Berechnung ausgesuchten Analogleistung zu vergleichen. 

Im Folgenden möchte ich Ihnen drei mögliche Beispiele für die Analogberechnung der PC-gestützten Auswertung zur Diagnose und Planung geben, wobei es Ihnen aber freisteht, jede andere Gebührennummer auszuwählen. In Tabelle 2 sind die entsprechenden Bewertungen dargestellt:

PC-gestützte Auswertung einer optisch-elektronischen Abformung gem. § 6 Abs. 1 entsprechend 

... Anwendung von Methoden zur Analyse von Kiefermodellen (dreidimensionale, graphische oder  metrische Analysen, Diagramme) GOZ 6010

... Transplantation eines Zahnes einschließlich operativer Schaffung des Knochenbettes (GOZ 3160)

... Implantatbezogene Analyse und Vermessung des Alveolarfortsatzes, des Kieferkörpers und der angrenzenden knöchernen Strukturen sowie der Schleimhaut, einschließlich metrischer Auswertung von radiologischen Befundunterlagen, Modellen und Fotos zur Feststellung der Implantatposition, gegebenenfalls mit Hilfe einer individuellen Schablone zur Diagnostik, einschließlich Implantatauswahl, je Kiefer (GOZ 9000)

 

Bewertung:

GOZ-Ziffer Punktzahl 1,0-fach 2.3-fach 3,5-fach
6010 180 10,12€ 23,28€ 35,43€
3160 650 35,56€ 84,08€ 127,95€
9000 884 49,72€ 114,35€ 174,01€

 

Optisch-elektronische Abformung auch bei KB

Es steht außer Frage, dass auch bei der Schienentherapie statt der konventionellen Abformung die optisch-elektronische Abformung Anwendung findet. Eine Leistung nach der Geb.-Nr. 0065 ist mit Versicherten der GKV vereinbarungsfähig, da eine vergleichbare Leistung im BEMA nicht enthalten ist. Daneben kann die Schiene als Sachleistung nach BEMA abgerechnet werden, soweit die Voraussetzungen der betreffenden BEMA-Position und der Richtlinien des G-BA erfüllt sind.

Während Im Bereich Zahnersatz die Geb.-Nr. 0065 sowie die PC-gestützte Auswertung über Teil 2 des HKP abgerechnet werden kann, sind bei der Schienentherapie die Leistungen in einer Vereinbarung gem. § 4 Abs. 5 Bundesmantelvertrag bzw. § 7 Abs. 7 Ersatzkassenvertrag  zu treffen

Modelle im 3D-Druck

Zu guter Letzt lohnt sich ein Blick auf die 3-D-Modelle. Hier hat sich die KZBV deutlich positioniert: „Modelle aus Verfahren der rechnergestützten Fertigung CAM (computer-aided manufacturing) unter Verwendung der elektronischen Daten, wie das Sintern, der dreidimensionale Druck, das Fräsen u. a. entsprechen nur dann dem Leistungsinhalt der Geb.-Nr. 001 0 (Modell aus Hartgips oder Superhartgips) des Bundeseinheitlichen Leistungsverzeichnisses zahntechnischer Leistungen (BEL II-2014), wenn ein Modell aus Hartgips oder Superhartgips entsteht, das den gleichen Detaillierungsgrad aufweist wie das konventionelle Verfahren. Die Herstellung eines Modells aus anderen Materialien als Hartgips oder Superhartgips ist nicht Inhalt der vertragszahnärztlichen Versorgung und als außervertragliche Leistung abzurechnen.“

Dr. Stefan Böhm

Bildquelle: 3Shape