Vom Keller-Start-up zum international tätigen Unternehmen – die Geschichte von Dental Direkt ist wie aus dem Bilderbuch. Beim Unternehmensstart vor über 20 Jahren war CAD/CAM noch in den Kinderschuhen. Mit Uwe Greitens von der Geschäftsführung unterhielten wir uns in der Dezember-Ausgabe über den Werdegang des Unternehmens, der auch die Entwicklung in der Zahntechnik widerspiegelt. Im zweiten Teil unseres Interviews geht es um das künftige Berufsbild des Zahntechnikers und um die Frage, was sich auf dem Materialien-Sektor verändern wird – oder auch nicht.

dl: Wie sieht die Dentalwelt der Zukunft aus? Das Berufsbild des Zahntechnikers?

Uwe Greitens: Generell sind wir davon überzeugt, dass auch im digitalen Zeitalter der Zahntechniker und insbesondere eine fundierte und hochwertige Ausbildung nicht obsolet werden. Digitale Kompetenzen sollten allerdings verstärkt bereits in der Ausbildung vermittelt werden, um junge Menschen gut vorbereitet in die heutige Berufswelt zu entlassen. Wer seinen Beruf mit Leidenschaft und Kreativität ausübt, wird dazu auch im digitalen Umfeld seine Möglichkeiten haben. So wie es in der Vergangenheit spezialisierte Fachkräfte in den verschiedenen Abteilungen eines Labors gab, wird es sie auch in der Zukunft geben. Nach unserer Meinung ist es wichtig, ein Verständnis dafür zu haben, dass wir alle die Zukunft des zahntechnischen Handwerks gestalten können. Wer die neuen Möglichkeiten zum Vorteil der Patienten und somit für seinen Betrieb zu nutzen weiß, braucht keine Bedenken zu haben, dass ihn die Zukunft überrennt. Jeder einzelne Betrieb sollte entscheiden, wie er sich digital aufstellt und dabei seine Individualität bewahrt. Das Schöne in unserer Branche ist, dass es vorrangig um Patientenzufriedenheit und deren Gesundheit geht. Dadurch trägt die Zahntechnik eine große Verantwortung. Es geht aber auch um die neue Effizienz. Durch einen Mix aus CAD/CAM-Inhouse und die Offenheit, sich an Fertigungsnetzwerken anzudocken, gelingt es bereits heute vielen Betrieben, wettbewerbsfähiger zu werden. Dies insbesondere auch im internationalen Vergleich, dem sich das deutsche Handwerk schon seit geraumer Zeit stellen muss.

dl: Bei der Flut an aktuellen Innovationen ist es allerdings schwierig einzuschätzen, was im eigenen Labor sinnvoll und nachhaltig ist ...

Uwe Greitens: Ja, das ist richtig. Die Innovationszyklen von Software, Hardware und Materialien werden wie in den meisten technologischen Branchen auch bei uns immer schneller. Dies bringt eine veränderte Investitionsplanung gegenüber der analogen Zeit mit sich. Nach unserer Auffassung ist es ein Fehler, als einzelner Betrieb den Versuch zu unternehmen, jede Innovation durch Investition in die eigene Inhouse-Fertigung umzusetzen. Wie in anderen hoch digitalisierten Bereichen entwickeln sich Spezialisten als Hersteller oder Dienstleister, die Teilfertigungen übernehmen können. Dies zu nutzen, erfordert eine gewisse Offenheit in der Betriebskultur – kann sich am Ende aber auszahlen. Viel Qualitätskontrolle erhält das Labor bereits, wenn der CAD-Bereich in eigener Regie liegt. Durch das Outsourcen von speziellen Fertigungstechniken, die im eigenen Labor nicht abgedeckt werden können, oder die in einer industriell überwachten Fertigung eine bessere Qualität gewährleisten, kann man Erfahrungen sammeln. Die Angebotsbreite kann breit bleiben. Wichtig ist, mit offenen Systemen zu arbeiten, so dass verschiedene Dienstleister getestet werden können. Ist die Menge an outgesourcten Produkten so groß geworden, dass sich eine Rentabilität für die Inhouse-Fertigung ergibt, kann auf Basis der gesammelten Erfahrungen in die richtige Technik für den eigenen Betrieb investiert werden.

Uwe Greitens

Uwe Greitens: “Zahntechnische Betriebe, die den Weg der Digitalisierung gemeinsam mit ihren Zahnärzten gehen, brauchen keine Bedenken haben, dass ihr handwerkliches Können durch eine 'Chairside Fertigung' abgelöst.”

dl: Wie wichtig ist eine perfekte Teamarbeit in der digitalen Dentalwelt?

Uwe Greitens: Guter Zahnersatz ist schon immer entstanden, wenn Zahnarzt und Zahntechniker ein gutes Team bilden. Hier bieten die digitalen Techniken wie beispielsweise das intraorale Scannen und das Kombinieren der gewonnenen 3D-Daten mit anderen digitalen Quellen die besten Voraussetzungen, ein noch besseres Team zu bilden. Die Möglichkeiten, eine detaillierte, bildbasierte Kommunikation über den einzelnen Patientenfall zu haben, waren noch nie so gut. Zahntechnische Betriebe, die den Weg der Digitalisierung gemeinsam mit ihren Zahnärzten gehen, brauchen keine Bedenken haben, dass ihr handwerkliches Können durch eine „Chairside Fertigung“ abgelöst wird. Digitale Labore sollten sich verstärkt als Innovationspartner für Zahnärzte verstehen. Wer von der digitalen Abdrucknahme über die 3D-Planung bis zum Eingliedern des Zahnersatzes ein wertvoller Begleiter ist, kann nur schwer ersetzt werden. Dienstleistungen in Form von Schulungsangeboten und Services wie eine breite Materialauswahl zur CAD/CAM Umsetzung der idealen Lösung in verschiedenen Preiskategorien bieten einen Mehrwert und eine Entlastung für den Behandler. So kann sich jeder Spezialist auf seinen Bereich konzentrieren und hoch-qualitative Patienenversorgungen für jeden Geldbeutel sind möglich.

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dl: Welche Trends sehen Sie in der Materialentwicklung – was kommt, was bleibt?

Uwe Greitens: Als Entwickler und Hersteller von Zirkonoxid wagen wir die Aussage zu treffen, dass dieses Material bleibt. Zirkonoxid ist heute nicht mehr das Material wie noch vor fünf Jahren. Die Erweiterung durch die neuen, hochtransluzenten Typen hat das Anwendungsgebiet, insbesondere für monolithische Versorgungen, erweitert. In weniger stark abrechnungsregulierten Märkten wie den USA werden bereits mehr als 55 Prozent der CAD- Labor Konstruktion vollmonolithisch angelegt. Mehr als 70 Prozent davon werden aus Zirkonoxid hergestellt. Bessere und neue industrielle Voreinfärbungen sorgen für lebendige Farben und eine hohe

Farbreproduzierbarkeit. Den 3D-Druck sehen wir für die oxidischen Keramiken aktuell nicht als Ersatztechnologie gegenüber dem Fräsen aus Rohlingen. Für Zirkonoxid ergeben sich beim aktuellen Stand der Entwicklung keine Qualitäts-, Prozess- oder zeitliche Vorteile. Der 3D-Druck wird aber in der Zahntechnik für andere Materialien eine größere Rolle übernehmen. Allerdings sollte insbesondere bei gedruckten Medizinprodukten, die für den langfristigen Einsatz in der Mundhöhle vorgesehen sind, die Körperverträglichkeit kritisch hinterfragt werden.

Das Interview führte Barbara Schuster